Weil es eben nicht egal ist, wie viel du sparst

Wie findet man eigentlich die perfekte Sparquote? Wie so oft schieben wir direkt vorweg: Es gibt nicht DIE perfekte Sparquote, die für alles und jeden gilt. Worauf man achten sollte, wenn man seine Sparraten festlegt, haben wir hier zusammengestellt. 

Die Sparrate ist der prozentuale Anteil an deinem verfügbaren Gesamteinkommen, den du zur Seite legst. Verdienst du netto 2.000 Euro, hast sonst keine Einnahmen und sparst jeden Monat 500 Euro, dann hast du eine Sparrate bzw. Sparquote von 25%. 

Wie das kleine Rechenbeispiel schon zeigt: Die Sparrate ist nichts, dass man am Monatsanfang festlegt. Man nimmt sich nicht vor “Diesen Monat spare ich 31% meines Einkommens”. Der Prozess geht genau andersherum, denn erst muss ich wissen, wie hoch mein Sparpotential sein kann. 

Die Sparquote an sich sagt rein gar nichts darüber aus, ob jemand ein super disziplinierter Sparer ist oder nicht.

Je höher das Einkommen, desto leichter sind hohe Sparraten, logisch oder? Wer 1.400 Euro netto verdient, kann von Sparquoten jenseits von 30% nur träumen, außer man wohnt z.B. mietfrei bei den Eltern. Andererseits lebt jemand, der 10.000 Euro netto verdient und eine Sparrate von 30% hat, ziemlich ausschweifend. Deshalb machen Vergleiche zwar Spaß und spornen an, allerdings sind sie eben nicht sonderlich aussagekräftig. 

Die Zielstellung

Die perfekte Sparquote gibt es deshalb nie im Vergleich zu anderen, sondern immer nur im Hinblick auf das eigene finanzielle Ziel. 

Wofür soll eigentlich Geld zurückgelegt werden? Ein Urlaub, ein Auto, Eigenkapital für den Hauskauf, die Kinder, die Altersvorsorge oder die finanzielle Unabhängigkeit?

Die Zielsetzung zu definieren ist der erste und entscheidende Schritt. Ohne Ziel, keine Motivation. 

Der Zeithorizont

Wer sein Ziel kennt kann auch einschätzen, wie viel Zeit ihm überhaupt bleibt, um das Ziel zu erreichen. Wie viel muss monatlich zurückgelegt werden? Gerade bei Finanzzielen mit fixen Rahmenbedingungen, wie einem Autokauf oder einem Urlaub, ist das simpel zu berechnen. 

Schwieriger wird es bei eher abstrakten Zielen wie der Altersvorsorge. Wie viel Geld muss man genau zusammenhaben und bis wann, damit meine Rentenlücke nicht allzu groß ausfällt? Vielen fällt es schwer, dann eine genaue Zahl festzulegen, da niemand weiß, wie lange er genau leben wird und wie lange er auf diese “Zusatzrente” angewiesen sein wird. 

Je länger der Zeithorizont, desto mehr Variablen kommen außerdem hinzu, z.B. die eigene wirtschaftliche Lage, die eigene Gesundheit, die Inflation, die Wirtschaftsentwicklung, die gesundheitliche und finanzielle Entwicklung von abhängigen Personen wie Kindern oder den eigenen Eltern. All diese Faktoren erschweren die Planung. 

Sparen heißt verzichten

Die eigene Bereitschaft zum Verzicht zu kennen ist elementar und von Mensch zu Mensch grundlegend verschieden. Was für den einen ein Leben in Askese bedeutet, ist für den anderen normal. Es gibt auch hier kein richtig oder falsch. Es geht vielmehr darum, die eigenen Vorstellungen zu kennen und sich unter Umständen auch von Erwartungen anderer zu lösen. 

Von der eigenen Bereitschaft zum Verzicht hängt grundlegend ab, wie viel Prozent des Einkommens am Ende gespart werden kann. 

Die Einnahmen

Für die Sparquote ist die Einnahmenseite der zentrale Parameter. Dabei betrachtet man am besten nicht nur das eigene Nettoeinkommen, sondern den gesamten Haushalt. Gibt es sonst noch Einnahmen wie staatliche Unterstützung (Kindergeld, Elterngeld), Erträge aus der Vermietung von Immobilien oder andere Geldzuflüsse (z.B. Dividenden)?

Die Ausgaben 

Ebenso wichtig wie die Einnahmen sind die Ausgaben. Nur wer sie genau kennt, kann sie auch regulieren und optimieren. 

Die Betrachtung der Ausgaben macht am meisten Sinn, wenn man dabei fixe und variable Kosten unterscheidet. 

Fixe Ausgaben sind diejenigen, die jeden Monat gleich ausfallen. Dazu zählen z.B. Miete, Abschläge für Strom und Wasser, Handy- und Internetverträge, Versicherungen, etc. 

Bei jedem einzelnen Punkt lohnt sich ein Check: Gibt es eine günstigere Option bei gleicher Leistung? Kann ich auf Leistungen verzichten und dafür auf einen günstigeren Tarif umschwenken? Es ist ein Schritt aus der Komfortzone, der sich immer lohnt. 

Auf der anderen Seite gibt es variable Kosten. Da es keine fixen Ausgaben sind, hat man sie auch mehr oder weniger in der Hand. Wie viel Geld geht im Monat für Essen, Unterhaltung und Konsum ab? Klingt super oldschool, aber ein Haushaltsbuch hilft einen schnellen Überblick zu gewinnen und Sparpotentiale zu erschließen. 

Viele machen den Fehler und schauen bei den Ausgaben ausschließlich auf den status quo. Plant man aber z.B. finanzielle Unabhängigkeit schadet es nicht durchzuspielen, welche Kosten sich in naher oder auch ferner Zukunft erhöhen könnten, z.B. durch den Umzug in eine größere Wohnung, wenn der Nachwuchs kommt. 

Renditeerwartung

Der letzte Aspekt beim Festlegen der Sparquote ist die zu erwartende Rendite. Auch hier spielt der Zeithorizont eine entscheidende Rolle. Je kürzer der Zeithorizont, desto weniger risikobereit kann der Anleger agieren und desto kleiner ist demnach die zu erwartende Rendite. Deshalb lohnt es sich, besser früh als spät mit dem Sparen anzufangen! Die Rendite sollte eher etwas zu konservativ eingeschätzt werden. Über eine höhere Rendite als erwartet freut man sich, eine niedrigere kann einem im Zweifelsfall den kompletten Plan versauen (Zinseszinseffekt).


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