Warum du dir deine Wohnung in München langfristig nicht mehr leisten kannst

Die Mieten steigen. Vor allem in deutschen Großstädten ist dieser Trend eindeutig. Trotzdem hört man viele Experten sagen, dass wäre ja eigentlich gar kein Problem, denn die Löhne sind im gleichen Maß gestiegen. Dieses Argument wollen wir uns heute genauer anschauen. 

Entwicklung der Mieten und Löhne

Das Mediangehalt (brutto) ist zwischen 2014 und 2018 auf 3.312 Euro gestiegen. Das entspricht einem Wachstum von über 9% in diesen vier Jahren. Die Entwicklung der Mieten ist nicht ganz so leicht zu beziffern. Man schaut deshalb nicht auf den Median aller vermieteter Objekte, sondern nur auf diejenigen, die neu vermietet werden. Hieraus ergibt sich eine Steigerung der Mieten um 8,5%. Die Medianmiete pro Quadratmeter lag demnach 2018 bei 7,44 Euro. 

Vergleicht man diese beiden Prozentwerte ist das Bild eindeutig: Die Löhne sind den Mieten knapp einen Prozentpunkt voraus. Das klingt nach guten Nachrichten.

Das große ABER

Durchschnittswerte zu betrachten ist immer eine spitzen Idee, um sich schnell ein Bild von einer komplexen, messbaren Situation zu machen. Sofort hat man einen Wert, den man im besten Fall noch mit verschiedenen Zeitpunkten oder mit einer ganzen Zeitreihe vergleichen kann. Jeder der Durchschnittswerte ermittelt, liest oder als Argument benutzt, ist allerdings gut beraten auch die Grenzen dieser Berechnungsmethode auszuloten. 

In diesem Fall liegt das große ABER in den ungleichen Lebensverhältnisse in Deutschland. Ja, ein Kellner verdient nicht so viel wie ein Manager und eine Plattenbauwohnung ist nicht so teuer wie der fancy Neubau mit Fußbodenheizung. Aber dafür sind Durchschnittswerte ja da, oder? 

Manch einer wird jetzt sagen: Ist logisch, aber wo die Gehälter geringer sind, da sind es auch die Mieten. Hier steuern wir geradewegs auf das Problem zu. Denn das ist schlicht falsch. 

Entwicklung in 1 bzw. 2 Geschwindigkeiten

Es gibt Regionen in denen entwickeln sich die Löhne sogar besser als die Mieten. Das gilt z.B. für Jena, Leipzig, Rostock, Gera und interessanterweise auch Hamburg. Hier profitiert die Bevölkerung aktuell und hat eine spürbar höhere Kaufkraft in den anderen Ausgabenbereichen. 

Hamburg sticht in diesem Zusammenhang ganz klar heraus. Die moderaten Mietsteigerungen (unter 4% im Vergleichszeitraum) liegen vor allem an der von rot-grün vorangetriebenen Wohnungsbauoffensive, die ein Erfolg war – ein Vorbild für viele andere Großstädte, die der zunehmenden Knappheit mit Ratlosigkeit begegnen. Die Löhne in Hamburg sind im gleichen Zeitraum sogar um 8,7% gestiegen. Ein klares Wohlstandsplus also für die Hamburger.

Dann gibt es Regionen in denen Mieten und Löhne im Gleichschritt wachsen. Stuttgart und Düsseldorf sind Beispiele hierfür. Die Mieten legen zwar zu, aber eben auch die Löhne, sodass unterm Strich der gleiche Anteil des Einkommens fürs Wohnen aufgewendet werden muss. 

Logisch ist, dass ein auseinander entwickeln von Löhnen und Mieten nur dann problematisch ist, wenn die Mieten stärker wachsen als die Löhne. Andersherum entsteht natürlich keine Problematik – im Gegenteil. 

Zuletzt folgen also die Städte in denen genau dieses Problem zu Tage tritt: Berlin und München. In Berlin stiegen die Gehälter zwischen 2014 und 2018 um 11,8%, während die Miete um 12,9% zulegte. Eine kleine, aber verschmerzbare Differenz? Wohl kaum!

In München ist die Entwicklung noch sehr viel dramatischer: Die Gehaltssteigerung von 10,9% kann nicht mal ansatzweise die um 19,7% gestiegenen Mieten kompensieren. Setzt sich dieser Trend fort, wird sich langfristig in den unteren und mittleren Einkommensklassen keiner mehr die Münchner Miete leisten können. 

Fazit

Auch wenn die Zahlen für viele Städte noch halbwegs okay aussehen, sorgt der Blick auf alle Landkreise in Deutschland und bei einer Verkürzung des Vergleichszeitraums für Anspannung: In 87% der Landkreise sind zwischen 2017 und 2018 die Mieten stärker gestiegen als die Löhne. Egal ob Stadt oder Land.

Übrigens: Unsere Analyse stützt sich auf Zahlen des Instituts der Deutschen Wirtschaft. Der Bericht mit spannenden Grafiken und einer umfangreichen Einordnung ist hier nachzulesen. 


Du willst herausfinden, welcher Art von ETF zu deinem Anlegerverhalten passt?

Dann schau jetzt in die 6 Anlegertypen und verschaffe dir einen Überblick.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: