ETF Strategie für den Bärenmarkt

In den letzten Wochen werden die Stimmen wieder lauter, die vor einer Trendwende an den Aktienmärkten warnen. Von einer “überfälligen Kurskorrektur” oder dem “Platzen der Tech-Bubble” ist dann oft die Rede, aber auch vom Wandel vom Bullen- zum Bärenmarkt.

In der Tat hätte ein längerfristiger Bärenmarkt auch für alle ETF Anleger Folgen. Darum wollen wir einen Blick auf mögliche Strategien werfen, wie das eigene Portfolio geschützt werden könnte. 

Was tun im Crash mit dem ETF Depot? 

Der große Vorteil von ETFs ist auch gleichzeitig ein großer Schwachpunkt: Man muss sich nicht so sehr damit beschäftigen, was eigentlich an den Märkten passiert. Als passiver Anleger kauft man in der Regel strikt nach Sparplan, egal ob die Kurse heute hoch oder niedrig sind. Über einen langen Zeitraum spielt das nämlich rein statistisch eine untergeordnete Rolle (“Time in the market, beats timing the market”). Trotzdem sollten auch passive Anleger ein Gespür für übergeordnete Markttrends entwickeln, um nicht vollkommen blind in einen längerfristigen Bärenmarkt zu geraten. Ob und wann sich der Wind an den Börsen dreht, ist vollkommen ungewiss und kann von niemanden genauer eingegrenzt werden. Dass wir irgendwann wieder eine pessimistische Marktphase bekommen werden, steht allerdings außer Frage. 

Hat der Wind bereits gedreht, ist es zu spät um Vorbereitungen darauf zu treffen. Der häufigste Tipp ist dann: Bloß nicht mit großem Verlust verkaufen, wenn man weiterhin an die Zukunftsfähigkeit und Liquidität des Unternehmens glaubt. Bestenfalls nachkaufen zu günstigen Kursen. Damit senkt man auf jeden Fall seine durchschnittlichen Kaufkurse (“averaging”) und diese Strategie lässt sich 1:1 auf ETFs übertragen. 

Kann man sich vorbereiten?

Wenn man die Zeichen der Zeit erkennt und sich darauf einstellen möchte, gibt es natürlich Möglichkeiten, um den Schaden im Depot zu reduzieren. Dafür ist jedoch (auch für ETF Anleger) wichtig grundsätzlich zwei Arten von Aktien zu unterscheiden: 

Growth (Wachstums-)Aktien

Growth Aktien zeichnen sich, wie der Name schon sagt, durch ein relativ hohes Kurswachstum aus. Die tatsächlichen Unternehmensgewinne sind hingegen noch ziemlich niedrig, zum Teil arbeitet man sogar noch am break even. Das liegt meistens daran, dass das Unternehmen viel Geld in die eigene Zukunftsfähigkeit investiert und deshalb hohe Kosten hat. Manchmal sind die Unternehmen auch noch frisch am Markt, haben noch vergleichsweise wenig Kunden, könnten aber zukünftig der “Big Player” der Branche werden. Man könnte sagen, dass Growth-Aktien Vorschusslorbeeren bekommen und deshalb ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis auch vergleichsweise hoch. Klar ist, dass solche Unternehmen keine Dividende ausschütten. Sie sind also ausschließlich wegen ihres Kurswachstums und ihrem Zukunftspotential für Anleger spannend. 

Value (Qualitäts-)Aktien

Value-Aktien sind das genaue Gegenteil. Ihr Kurswachstum ist maximal moderat, aber dafür erzielen sie hohe Gewinne und bewegen sich solide am Markt. Ihr Kurs-Gewinn-Verhältnis ist deshalb in der Regel auch niedrig. Da sie Anleger nicht mit großen Wachstumsraten locken können, zahlen sie einen Teil ihrer Gewinne in Form von Dividenden aus. 

Was hat das jetzt mit dem Crash zu tun? 

Die aktuell warnenden Stimmen sprechen in der Mehrheit nicht von einem einmaligen Rücksetzer, wie im vergangenen März zu Beginn der Corona Pandemie. Sie befürchten vielmehr eine langfristige Veränderung der Marktsituation. Einen Wandel vom Bullen- zum Bärenmarkt. 

Der Begriff Bullenmarkt meint eine optimistische Marktsituation in der die Kurse dauerhaft steigen. Natürlich können einzelne Aktien trotzdem abschmieren, aber der Gesamtmarkt entwickelt sich positiv. 

Wenn man sich hingegen im Bärenmarkt bewegt, also einem Markt in dem die Kurse dauerhaft sinken oder stagnieren, können Kursgewinne keine primäre Anlagemaxime sein. Gleiches gilt für einen Markt mit seitwärtsbewegung. In den letzten Jahren hatten wir trotz verschiedenster Krisen einen Bullenmarkt, also dauerhaft steigende Kurse in der Gesamtbetrachtung, wie an den Leitindizes zu sehen ist. 

Falls dich das Thema Bären – und Bullenmarkt interessiert, findest du hier einen Link zu einem interessanten NZZ Artikel, der das Thema historisch betrachtet: https://www.nzz.ch/finanzen/aktien-sechs-bullenmaerkte-seit-den-1960er-jahren-ld.1519362)

Logisch ist auch: ETFs sind DAS Anlageprodukt im Bullenmarkt. Der Markt an sich bewegt sich fortlaufend in eine positive Richtung und mit einem breit aufgestellten ETF konnte man in den letzten Jahren praktisch nichts falsch machen. 

Doch wie sieht das Ganze im Bärenmarkt aus? 

Wenn man keine Renditen mehr durch Kursgewinne einfahren kann, wie soll man überhaupt noch gewinnbringend anlegen? Theoretisch würde es bei dauerhaft fallenden Kursen doch Sinn machen, den Sparplan zu pausieren, das Geld zu sparen und erst dann wieder zu kaufen, wenn die Kurse um x% gesunken sind. Ganz nach der Prämisse: morgen ist es am Bärenmarkt ja sowieso günstiger als heute. 

Die Antwort sind dividendenstarke, solide (Value) Unternehmen. Diese wurden in den letzten Jahren vom Anleger-Mainstream eher vernachlässigt, weil sie keine großen Wachstumssprünge mehr erleben. Für Anleger war es viel ertragreicher in Growth-Titel sowie zukunftsorientierte ETFs zu investieren. 

Growth-Titel werden im Bärenmarkt allerdings eher uninteressant. Deshalb ist es grundsätzlich ein guter Zeitpunkt, um die eigenen ETFs nochmal auf den Prüfstand zu stellen. Es gibt hier keinen goldenen Pfad, weil niemand die Zukunft kennt, aber es wichtig, das eigene Portfolio zu kennen und zu hinterfragen. 

Zudem gibt es eine Reihe von ETFs, die auf Dividenden ausgerichtet sind und demnach tendenziell eher Value-Aktien beinhalten, die auch in Zeiten fallender Kurse dauerhaft Erträge und Auszahlungen versprechen.

Beispiele für ETFs mit Dividenden

iShares Stoxx Global Select Dividend 100 UCITS ETF (DE) 

iShares DivDAX® UCITS ETF (DE) 

SPDR® S&P Global Dividend Aristocrats ETF 

Xtrackers MSCI World High Dividend Yield UCITS ETF 1D

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